"... mei liaber Scholi ..."

22.10.21

Ein legendärer Salzburger Musikant

Neuigkeit: Der Scholi © Salzburger HirtenAdventTobi und Tobias Reiser haben für ihre Adventsingen besondere, charismatische Figuren geschaffen, naturverbundene Menschen am Rand der Gesellschaft, die hellhörig für die weihnachtliche Botschaft sein konnten. Einem Vogelfänger oder Nachtwächter, einem Kugelmüllner oder Bandlkramer war es vorbehalten, die rätselhaften himmlischen Erscheinungen den Hirten anzukündigen oder zu deuten.

Neuigkeit: Der Scholi mit den Hirtenkindern © Salzburger HirtenAdventIn dieser Tradition steht heuer der arme Straßenmusikant „Scholi“, der zum Leidwesen der Kinder vom Weihnachtsmarkt weggewiesen wird und der später in der Verkündigungsszene von den Hirten aufgenommen wird. Er ist es dann, der schließlich hilft, für die Aufwartung beim Stall das richtige Lied auszusuchen und einzustudieren.

Ich bin mir sicher, dass beide Reisers mit diesem sagenumwobenen Musiker, der in der Mozartzeit im Salzburg-bayerischen Grenzgebiet unterwegs war, ihre Freude gehabt hätten. Wilhelm Keller hatte sich eingehend mit dieser historischen Figur auseinandergesetzt. Cesar Bresgen hat sich oft auf ihn berufen, speziell bei der Schaffung der bekannten Loferer Passion und ihm schließlich ein literarisches Denkmal gesetzt.

Ferdinand Joly (1765 - 1823) war der Sohn des Salzburger Hofzuckerbäckers Joseph Alexius Joly, dessen Vorfahren in den Wirren der Hugenottenvertreibungen vom französischen Hof nach Salzburg kamen. Die Familie kam in Salzburg zu einigem Ansehen und Sohn Ferdinand begann seine Laufbahn im Salzburger Kapellhaus und war anschließend an der Lodronischen Universität inskribiert. Aus nicht näher bekannten Gründen musste er aber Salzburg verlassen, um sich in der Folge als „ausgjagter Student“ und als „fahrender Musikant“ seinen Lebensunterhalt „mehr schlecht als recht“ zu verdienen.

In der bayerischen Staatsbibliothek sind einige seiner Texte – zu Liedern, zu Advent- oder Passionsspielen – überliefert. Vielerorts beruft man sich auf ihn. „Das Lied haben wir vom Scholi glernt“ war Ende des 19. Jhdts noch des Öfteren von Zeitzeugen zu hören, die ihn gekannt hatten. Aber das meiste seiner Schöpfungen wird wohl auf immer verborgen bleiben. Man vermutet, dass er sich in vielen Pfarren des Rupertiwinkels als Kirchensänger und Pfarrersgehilfe betätigte und Lieder für alle möglichen geistlichen und weltlichen Anlässe schuf und weitergab. Er versuchte als freier Musikant in einer Zeit zu leben, als dies eigentlich noch nicht möglich war. Welch erstaunliche Parallelen ergeben sich aus seiner geheimnisvollen Biographie zur Gegenwart, wie aktuell ist sein „Künstlertum“ gerade in der jetzigen Zeit globaler Krisen. Wie sehr spiegelt sich sein Leben bei vielen hervorragenden Kreativen von heute und wie nahe ist er uns beim HirtenAdvent, als Schöpfer adventlicher Lieder und Spiele – wahrscheinlich punktgenau im Schnittpunkt zwischen Hochkultur und Volkskunst.

Und wie der berühmte „Tupfen“ auf dem „i“ scheint es, wenn wir diesem legendären Musiker gerade beim heurigen HirtenAdvent, bei dem Wilhelm Keller anlässlich seines 100. Geburtstages im Mittelpunkt steht, begegnen. Und irgendwie dürfen wir Sänger und Musikanten uns freuen, „Scholi’s“ Erben zu sein.

Josef Radauer

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